Die dritte Stadt / Kapitel: Aufhebung von Stadt und Land (1993, Dieter Hofmann-Axthelm)

Hoffmann-Axthelm verfolgt die historische Entwicklung der vermeintlichen Abschaffung der Gegensätze zwischen Stadt und Land und beweist, dass dies oft vorhergesagt wurde und nie in diesem Ausmaß stattgefunden hat. In den 1960er Jahren kam es zu einer Abwanderung der Industrie in den ländlichen Raum, weil in den Städten Platz und Arbeitskräfte knapp wurden. Mit dem Boom im Wohnungsbau wurde das Land zur „Kolonie des urbanen Wohnens“. Die Landschaft wurde renoviert und an neue Standards der Landwirtschaft, der Infrastruktur und des gesellschaftlichen Lebens angepasst. Von da an sind Stadt und Land kein Ausdruck sozialer Produktion mehr, sondern bleiben als kulturelle Nutzwerte erhalten. Ende der 70er Jahre wird die Abschaffung der Trennung von Stadt und Land erneut prophezeit, weil die mikroelektronische Industrialisierungswelle standortunabhängig zu arbeiten verspricht. Aber nur ein Teil der produktiven und administrativen Arbeit wurde auf das Land verlagert, was vor allem dazu führt, dass sich zeigt, dass ortsunabhängiges Arbeiten vor allem mit traditionellen Städten und Dörfern und unbewohnten Landschaften vereinbar ist. Stadt und Land bestehen aus „ortsspezifischen Räumen und Abstraktionen, die sie füllen“. Gerade das Land ist nicht homogen, sondern ein unsauberer Komplex, der vor allem als Nicht-Stadt definiert wird, da die Stadt ihre Natur konsumiert und zerstört. Die Grenzen der Belastbarkeit des ländlichen Raums öffnen sich, schreibt Hoffmann-Axthelm, und das Land wird sich dagegen wehren, da es nicht nur die Natur oder eine rechtliche Gegenkategorie ist, sondern integraler Bestandteil des städtischen Kontextes der Bedürfnisse.